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    Typisch Finnisch – Tyypillisesti suomalainen

    Unter den nordeuropĂ€ischen LĂ€ndern ist Finnland der Rebell, da es sich in vielen Punkten von seinen Nachbarn unterscheidet. So hat Finnland als einziges skandinavische Land den Euro eingefĂŒhrt, besaß davor die Mark anstatt der Krone als WĂ€hrung und wurde nie von einem König regiert. Auch kulturell ist das Land anders als Schweden, Norwegen und DĂ€nemark, allein schon aufgrund seiner Sprache die ehr dem Estnischen und Ungarischen Ă€hnelt.

    Land

    Obwohl Finnland seit dem Zweiten Weltkrieg als neutral gilt, schafft das Land im Norden Europas es jedes Jahr, seine FlĂ€che zu vergrĂ¶ĂŸern. DafĂŒr sind weder Krieg noch die Annexion von umliegenden Gebieten nötig sondern einfach nur die Natur. Jedes Jahr gewinnt das Land rund sieben Quadratkilometer an FlĂ€che dazu, da sich das GelĂ€nde am Bottnischen Meerbusen um rund einen Zentimeter erhebt. Finnland wird als „Land der tausend Seen“ bezeichnet was etwas untertrieben ist da es auf seinen knapp 340.000 Quadratkilometern ungefĂ€hr 188.000 Seen gibt. Der grĂ¶ĂŸte von ihnen ist der Saimaa im SĂŒdosten des Landes, der sich auf einer FlĂ€che, fast dreimal so groß wie der Bodensee, erstreckt. 

    In Finnland gibt es viele Seen die fĂŒr jeden freizugĂ€nglich sind

    In Finnland gilt das Jedermannsrecht, was besagt, dass die Natur jedem gehört und von jedem benutzt werden darf. So sind Zelten und das EntzĂŒnden von Lagerfeuern oder Ähnlichen ĂŒberall erlaubt solange es gegen kein anderes Gesetzt zum Naturschutz verstĂ¶ĂŸt. Die Jagd auf Tiere, die in Finnland grade auf Elche sehr beliebt ist, zĂ€hlt nicht zu diesem Recht und wird gesondert geregelt. Im nordfinnischen Lappland gehören die Nordlichter zu einer beliebten Touristenattraktion. Von September bis MĂ€rz sind sie dort durchschnittlich in jeder zweiten, klaren Nacht zu sehen. Im SĂŒden des Landes stehen die Chancen wesentlich schlechter, da die bunten Lichter da nur etwa in 10-20 NĂ€chte erscheinen. Wem der finnische Winter zu kalt ist, bei dem die Sonne nur wenige Stunden am Tag scheint, besucht das Land im Sommer. Grade in Lappland lĂ€sst sich dann das PhĂ€nomen der Mitternachtssonne beobachten, wenn es auch Nachts noch taghell ist. 

    Die Nordlichter sind vor allem im Winter in Lappland gut sichtbar

    Leute

    Finnen gelten allgemein als wortkarg und verschlossen. Das liegt wohl daran, dass fĂŒr sie jedes einzelne Wort von Bedeutung ist und sie deswegen nicht so viele haben die sie benutzen können. Unnötiges Gerede oder Small Talk ist fĂŒr sie befremdlich, genau wie in Deutschland ĂŒbliche Fragen wie „Hast du gut geschlafen?“. Finnen hören lieber zu als zu reden und haben auch kein Problem damit in absoluter Stille dazusitzen, was grade fĂŒr Deutsche oft unangenehm wird. GrundsĂ€tzlich sind die Finnen aber sehr freundliche und hilfsbereite Menschen die auch kein Problem damit haben, sich auf Englisch zu unterhalten. Das Sprichwort „Willst du im Motorsport gewinnen engagiere einen Finnen“ trifft tatsĂ€chlich zu, da in Finnland alles hinters Steuer gesetzt wird das drĂŒber schauen kann. An Wochenenden finden regelmĂ€ĂŸig Amateurrennen statt an denen jede Altersklasse teilnehmen kann, vorausgesetzt man hat ein Auto. Hier steht der Spaß im Mittelpunkt, es geht nichts ums Gewinnen und erst recht nicht um Sponsoring. Ein wichtiges Wort, mit dem jeder Finne etwas anfangen kann ist „Sisu“ was als unĂŒbersetzbar gilt. Es handelt sich dabei um eine Charaktereigenschaft die angeblich nur die Finnen haben die den deutschen Wörtern „Kraft“ oder auch „Kampfgeist“ nah kommt.

    Sprache

    Finnisch zĂ€hlt zu den am schwersten zu lernenden Sprachen der Welt, da sich die Grammatik von der anderer europĂ€ischen Sprachen stark unterscheidet. Einzig die Esten dĂŒrften wenig Probleme haben ihre Nachbarn auf der anderen Seite des Finnischen Meerbusens zu verstehen. Aber auch Ungarisch und die Sprachen der Sami im Norden Skandinaviens sind artverwandt. Finnisch zeichnet sich vor allem durch lange Wörter aus von denen viele nur mit einem ganzen Satz ins Deutsche ĂŒbersetzt werden können. Eins davon ist kalsĂ€rikĂ€nnit was so viel bedeutet wie „sich Zuhause allein in UnterwĂ€sche betrinken“. TatsĂ€chlich gibt es fĂŒr den Konsum von Alkohol zu jeder Tageszeit ein eigenes Wort. Laut dem finnischen Stand-Up-Comedian Ismo Leikola ist das wichtigste Wort seiner Muttersprache Nonin was so viel wie „so“ oder „also“ bedeutete und je nach Betonung eine andere Bedeutung bekommt. Besonders wichtig im Finnischen ist die Aussprache da Wörter ganz leicht etwas völlig anderes heißen können. Das beste Beispiel dafĂŒr sind tuli (Feuer), tulli (Zoll) und tuuli (Wind), die im Deutschland völlig unterschiedlich klingen, im Finnischen aber schwer zu unterscheiden sind.

    Neben Finnisch ist auch Schwedisch anerkannte Amtssprache, obwohl es von nur etwa 5% der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen wird. Die meisten von ihnen leben im Westen und SĂŒdwesten des Landes oder auf den Ålandinseln, auf denen Schwedisch einzige Sprache ist. Zu den bekanntesten Finnlandschweden gehören der Nationalheld Carla Gustav Emil Mannerheim und die Schriftstellerin Tove Jansson, die Erfinderin der Mumins. Wer nach Finnland kommt und keine der beiden Amtssprachen kann, braucht keine Angst haben, da ein Großteil der Finnen auch problemlos Englisch spricht. Einige können sogar Deutsch, da dies frĂŒher einmal die erste Fremdsprache war die an Schulen gelehrt wurde.

    Kultur

    Was in Schweden Pippi Langstrumpf ist, sind in Finnland die Mumins. Die nilpferdĂ€hnlichen Trollwesen leben im Mumital und erleben mit ihren Freunden in BĂŒchern, Comics und im Fernsehen spannende Abendteuer. Erfunden wurde sie 1945 von der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson und erfreuen sich inzwischen weltweit einer großen Fangemeinde. In Naantali nah der Stadt Turku gibt es seit 1993 eine Muminwelt, wo das Mumital nachgebaut wurde und die Figuren aus den BĂŒchern anzutreffen sind. Die niedlichen Tiere sind sogar auf Geschirr der finnischen Keramikfabrik Arabia vertreten, deren Produkte sich sowohl bei Finnen als auch bei Touristen großer Beliebtheit erfreuen und weltweit gefragt sind. GegrĂŒndet wurde Arabia 1874 in Helsinki als Tochterfirma des schwedischen Unternehmens Rörstrand im namensgebenden Stadtteil Arabianranta in Helsinki. Seit 2007 gehört es zur finnischen Design-Marke Iittala, das berĂŒhmt fĂŒr seine Glasprodukte ist. 

    Finnisches Arabia Geschirr

    Der wohl wichtigste Bestanteil der finnischen Kultur ist die Sauna. Sie hilft bei der körperlichen und seelischen Reinigung und ist in so gut wie jedem Haushalt vertreten. Was fĂŒr den ein oder anderen vielleicht befremdlich sein dĂŒrfte ist, dass Finnen grundsĂ€tzlich nackt in die Sauna gehen. FĂŒr sie ist das vollkommen normal und hat, da Mann und Frau oft getrennt schwitzen gehen, auch nichts sexuelles an sich. Um die Entspannung zu erhöhen wird sich wĂ€hrend eines Saunabesuches oft mit Birkenquast leicht ausgepeitscht, was einer Massage gleich kommen soll. Die getrockneten Zweige werden in heißes Wasser gelegt, vor Gebrauch kalt abgespĂŒlt und können mehrfach verwendet werden.

    Die Saune gehört in Finnland einfach dazu

    KĂŒche

    Wenn es etwas gibt, dass Finnen genauso lieben wie ihre Saunas dann ist es Kaffee. Mit einem jĂ€hrlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 12 Kilogramm sind sie weltweit der grĂ¶ĂŸte Kaffeekonsument. Im Durchschnitt trinkt jeder Finne vier Tassen am Tag und mach bis zu sechs mal „Kaffepaussi“ um das GetrĂ€nk in aller Ruhe zu genießen. Anders als die Raucherpause in Deutschland ist die Kaffeepause in Finnland ein Arbeitnehmerrecht und gehört, meistens mit einem StĂŒck Kuchen, zum tĂ€glichen Leben. Im 19. Jahrhundert, als Alkohol in Finnland zeitweise verboten war, fungierte der Kaffee als Ersatzdroge und ist seitdem das LieblingsgetrĂ€nk der Finnen.

    Finnen trinken weltweit den meisten Kaffee

    Alkohol ist in Finnland teuer, da das Land den höchsten Steuersatz fĂŒr Spirituosen in der EU hat. In finnischen SupermĂ€rkten finden sich nur GetrĂ€nke mit einem Alkoholgehalt unter 4,7%, die auch erst an Personen ĂŒber 18 Jahre verkauft werden. Alles andere findet sich bei Alko, einer Ladenkette die in Finnland das staatliche Monopol auf den Verkauf von alkoholischen GetrĂ€nken hat. Hier finden sich dann Wein, Likör und Co die, obwohl man in Finnland mit 18 volljĂ€hrig ist, erst ab 20 erhĂ€ltlich sind. Auch Finnlands bekanntester Wodka Finlandia ist bei Alko erhĂ€ltlich, entweder in einer großen Flasche aus Glas oder in einer kleinen aus Plastik. Anders als in Deutschland, wo sich zu spĂ€ter Stunde an Tankstellen oder in dem ein oder anderen Supermarkt noch Spirituosen auftreiben lassen, schließt Alko seine GeschĂ€fte wochentags um 21 Uhr, an Samstagen drei Stunden frĂŒher und hat an Sonntagen grundsĂ€tzlich geschlossen.

    Wer in Finnland Appetit auf McDonald’s bekommt wird suchen mĂŒssen, da es von der US-amerikanischen Fast-Food-Kette nur wenige Filialen gibt. Viel verbreiteter ist das finnische Pendant Hesburger die ihren Kunden ebenfalls Burger, Nuggets und Pommes anbieten. Hier gibt es aber auch glutunfreie und eine große Auswahl an vegetarischen Produkte, die alle liebevoll verpackt werden, egal ob sie zum dort essen oder zum mitnehmen sind. Die Speisekarten im Restaurant sind auf finnisch, durch ihre bunten Bilder aber fĂŒr jeden verstĂ€ndlich. Das Personal dort spricht auch Englisch und versteht daher, wenn man anstelle eines „Juustohampurilainen“ einen „Cheeseburger“ bestellt. 

    Die allgemeine finnische KĂŒche ist sehr naturbelassen und von schwedischen und russischen EinflĂŒssen geprĂ€gt. Ihr Hauptbestandteil sind Kartoffeln, Brot, Fisch und Fleisch die meist mit nur wenigen GewĂŒrzen verfeinert sind. Das wohl bekannteste Gericht sind Karelische Piroggen, die nur wenig mit den Versionen aus Polen und Russland zutun haben. In Finnland wird meist nur eine große Pirogge serviert anstatt mehrer kleinen wie es in Osteuropa meistens der Fall ist. Sie wird aus Roggenteig hergestellt, mit ungewĂŒrzten Milchreis oder Kartoffelbrei gefĂŒllt und meistens als eine Art Brot gegessen. Andere typische Gerichte sind Kalakukko, in Brot gebackener Fisch und MĂ€mmi, gebackener Malzpudding der traditionell zu Ostern gegessen wird. Übliche Fleischsorten sind Elch und Rentier, das, anders als in Schweden und Norwegen wo ausschließlich das Volk der Samen die Tiere halten darf, in Finnland auch von ethnischen Finnen produziert wird. Das Lieblingsessen von Carl Gustaf Emil Mannerheim, dem ehemaligen PrĂ€sidenten, war Vorschmack, kleine FleischklĂ¶ĂŸe aus Fleisch und Fisch, die gebraten oder gekocht werden.

    Karelische Piroggen

    Eine beliebte finnische SĂŒĂŸigkeit ist Lakritze, die die Finnen besonders krĂ€ftig und salzig mögen. Wer es ehr sĂŒĂŸ mag sollte im Supermarkt bei der Schokolade zu greifen. Die bekanntest Marke ist Fazer, die gut an ihrer blauen Verpackung zu erkennen ist. Sie gibt es in diversen Geschmacksrichtungen, von einfacher Vollmilch ĂŒber verschiedene Beeren bis hin zu FrĂŒchten und NĂŒssen. 

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