Samstag, 20, Juli 2024
24.4 C
Barcelona
36.1 C
Tokio
25.8 C
Hawaii
More

    Helsinki: Tochter der Ostsee

    Helsinki ist die nördlichste Hauptstadt der EU und seit ĂŒber 100 Jahren politisches Zentrum eines unabhĂ€ngigen Finnlands. Die Metropole mit gut einer halben Million Einwohner liegt im SĂŒden des Landes am Finnischen Meerbusen und belegte 2019 im Work-Life-Balance Index Platz 1 der lebenswertesten StĂ€dte weltweit. Zu den meistbesuchten StĂ€dten der Welt gehört sie aber nicht, obwohl sie viele spannende Dinge zu bieten hat. 

    Die AnfÀnge

    Seit 1959 beginnt in Helsinki jeder 12. Juni damit, dass der amtierende OberbĂŒrgermeister der Stadt, im Hof des Rathauses eine Tasse Kaffee trinkt und damit den „Helsinki-pĂ€iviĂ€â€œ eröffnet. An diesem Tag feiert die Stadt, anlĂ€sslich ihrer GrĂŒndung 1550, sich selbst, mit Open-Air-Konzerten, kostenfreien Museumsbesuchen und der Verleihung der Helsinki-Medaille an verdienstvolle BĂŒrger. Als die Stadt auf Befehl des schwedischen Königs Gustav I. Wasa gegrĂŒndet wurde, hatte das heutige Finnland mit Turku bereits ein politisches, geistiges und kulturelles Zentrum. An der MĂŒndung des Flusses Vantaanjoki siedelten sich auf Befehl des Königs Einwohner umliegender StĂ€dte an, damit dort ein Konkurrenzhafen zum 80 Kilometer entfernten Tallinn, auf der anderen Seite des Meerbusens, errichtet werden konnte. Die von König Gustav I. Wasa ausgewĂ€hlte Stelle erwies sich jedoch als ungeeignet fĂŒr einen solchen Hafen weswegen Helsinki 1640 an seinen heutigen Platz, rund fĂŒnf Kilometer nĂ€her am offenen Meer, gelegt wurde. Im 19. Jahrhundert stand die Stadt unter russischer Herrschaft, was ihr 1812 die Stellung als Hauptstadt einbrachte. Zar Alexander I. fand, dass Turku, das eigentliche Zentrum des GroßfĂŒrstentums Finnland, von St. Petersburg zu weit entfernt lag und bestimmte daher Helsinki zur Hauptstadt. Auch nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Finnlands 1917 behielt sie diesen Status und ist heute Regierungssitz und grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes.

    Helsinki bewarb sich als Austragungsort fĂŒr die Olympischen Spiele 1936, die nach Berlin gingen und 1940, die Tokio austragen sollte. Nachdem die Japaner 1938 die Spiele absagten, gingen sie schließlich doch nach Finnland, das als einziger Bewerber noch ĂŒbrig war. So entstand das Olympiastadion in Helsinki, das architektonisch durch einen 72,71 Meter großen Turm hervorsticht, der Besuchern einen Blick ĂŒber die Stadt bietet. Die Höhe wurde von den Architekten nicht zufĂ€llig bestimmt, sondern entspricht genau der Weite, die der finnische Speerwerfer Matti JĂ€rvinen bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles erzielte und dadurch nicht nur Gold holte sondern auch einen Weltrekord aufstellte. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Spiele 1940 ganz gestrichen, Helsinki erhielt als Ausgleich die Zusage fĂŒr die Austragung 1952. Inzwischen ist das Stadion die Heimat der finnischen Nationalmannschaft, die dort 2007 in einem zunĂ€chst ereignislosen Spiel gegen Belgien um die Qualifikation fĂŒr die nĂ€chste Europameisterschaft kĂ€mpfte. WĂ€hrend des Spiels entschied sich ein Uhu, sich das ganze mal aus der NĂ€he anzusehen und flog mehrere Minuten zwischen den Toren hin und her, weswegen das Spiel unterbrochen wurde. Den Finnen gelang es danach, das Spiel mit 2:0 zu gewinnen, sie schafften es spĂ€ter aber trotzdem nicht in die Endrunde. DafĂŒr wurde der Uhu, dem der Name „Bubi“ gegeben wurde, im selben Jahr noch EhrenbĂŒrger der Stadt. 

    Der Senatsplatz

    Mittelpunkt des modernen Helsinkis ist der Senatsplatz, in dessen Mitte dem russischen Zaren Alexander II. ein Denkmal gesetzt wurde. Es ist fast elf Meter hoch und zeigt den Zaren, der eine finnlandfreundliche Politik vertreten hatte, in der Uniform eines finnischen Gardeoffiziers. Zu seinen FĂŒĂŸen stehen vier Statuen, die das Gesetz, die Arbeit, den Frieden und das Licht reprĂ€sentieren sollen. Eingeweiht wurde das Denkmal am 29. April 1894, dem Geburtstag des Zaren, der dreizehn Jahre zuvor einem Attentat zum Opfer fiel. Hinter der Statue fĂŒhren fast 50 Stufen hoch zum Wahrzeichen der Stadt: dem Dom. Das weiße GebĂ€ude wird jedes Jahr von etwa 350.000 Menschen besucht und wurde vom deutschen Architekten Carl Ludwig Engel entworfen. Inspiration lieferte ihm die Isaakskathedrale in St. Petersburg, deren kreuzförmiger Grundriss fĂŒr den Bau in Helsinki ĂŒbernommen wurde. Im Inneren ist die Kirche, die erst mit der GrĂŒndung des örtlichen Bistums 1959 zu einem Dom wurde, sehr schlicht gestaltet. Die einzigen Dekorationselemente sind Statuen der Reformatoren Luther, Melanchthon und Agricola.

    Der Dom von Helsinki mit der Statur von Zar Alexander II.

    Östlich des Zarendenkmals befindet sich die UniversitĂ€t, die sich seit 1828 in dem GebĂ€ude am Senatsplatz befindet. GegrĂŒndet wurde sie eigentlich 188 Jahre zuvor als „Königliche Akademie zu Turku“, wurde spĂ€ter dann aber in die finnische Hauptstadt verlegt, nachdem ein Brand Turku verwĂŒstet hatte. Ihr gegenĂŒber befindet sich das SenatsgebĂ€ude, nach dem der Platz auch seinen Namen erhielt. In den GebĂ€uden dahinter befinden sich weitere Regierungseinrichtungen wie das Rathaus und der PrĂ€sidentenpalast. Das ParlamentsgebĂ€ude liegt rund zwei Kilometer nordwestlich im Stadtteil Etu-Töölö. 

    Der Hafen

    Hinter dem Regierungsviertel liegt der Hafen, in dem sich der Allas Sea Pool befindet. Das Freibad ist ganzjĂ€hrig geöffnet und bietet Besuchern die Möglichkeit in drei Becken, von denen eins mit Meerwasser gefĂŒllt ist, in unmittelbarer NĂ€he zur Ostsee zu schwimmen. Direkt daneben steht das SkyWheel Helsinki, ein 40 Meter hohes Riesenrad das im Sommer 2014 eröffnet wurde. Neben einfachen Fahrten, bei denen Besucher einen spektakulĂ€ren Blick auf die Stadt haben, bietet das FahrgeschĂ€ft noch spannende Sonderangebote. Wie wĂ€re es zum Beispiel mit einer Cocktailparty oder einer Runde gemeinschaftlichen Schwitzens? In einer der 30 Gondeln befindet sich eine Sauna, was bei den saunaverrĂŒckten Finnen eigentlich nicht ĂŒberraschen dĂŒrfte. Direkt am Tove Jansson Park, keine fĂŒnf Minuten Fußweg vom Riesenrad entfernt, liegt die Uspenski-Kathedrale, die neben dem Dom zu den prĂ€gendsten GebĂ€uden der Skyline von Helsinki gehört. Die rote Kirche mit den grĂŒnen DĂ€chern wurde 1868 geweiht und zeigt so gut wie kein anderes Bauwerk in der Stadt den Einfluss der Russen auf Finnland. Jedes Jahr besuchen eine halbe Million Menschen die Kathedrale mit ihren 13 Kuppeln, die allesamt eine vergoldete Spitze haben.

    Der Hafen mit dem SkyWheel und der Uspenski-Kathedrale

    Bahnhofsviertel

    Westlich vom Hafen liegt die EtelĂ€esplanadi, eine wunderschöne Straße, an der sich kleine LĂ€den und CafĂ©s reihen. In der Mitte ist sie durch einen kleinen Park getrennt, an dessen Ende sich das Schwedische Theater befindet. Daran grenzt die Mannerheimintie, die Einkaufsstraße der Stadt. GeprĂ€gt wird sie durch das Warenhaus Stockmann, das mit einer VerkaufsflĂ€che von 50.000 Quadratmetern nur etwas kleiner ist als das KaDeWe in Berlin. 1862 wurde es von dem Deutschen Georg Franz Heinrich Stockmann in Helsinki gegrĂŒndet und besitzt heute Filialen in vier LĂ€ndern.

    Ein StĂŒck in Richtung Norden, direkt am Bahnhof der Stadt, befindet sich die 2018 eröffnete Oodi Bibliothek, ein Geschenk der Finnen an sich selbst zur 100-Jahr-Feier ihrer UnabhĂ€ngigkeit. In dem beeindruckenden GebĂ€ude befinden sich nicht nur unzĂ€hlige BĂŒcher sondern auch 3D-Drucker und eine Treppe im Design einer Doppelhelix, sowie – wie sollte es anders sein – auch eine Sauna.

    Die Doppelhelix-Treppe

    Einen Kilometer östlich davon liegt die Temppeliaukio-Kirche, ein faszinierender Bau aus dem Jahr 1969. Die Kirche wurde in einen Granitfelsen hineingebaut und besitzt ein riesiges Glasdach, damit niemand der GÀste wÀhrend des Gottesdienstes im Dunklen sitzen muss. 

    Vor der Stadt

    Vor Helsinki liegt Soumelinna, eine Festung, die sich ĂŒber mehrere Inseln verteilt und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. WĂ€hrend der 600-jĂ€hrigen Herrschaft Schwedens wurde mit dem Bau der Anlage begonnen, um die Stadt Helsinki vor den Russen zu schĂŒtzen. Unter russischer Herrschaft diente sie als StĂŒtzpunkt fĂŒr rund 13.000 Soldaten und wurde im Krimkrieg von Frankreich und England stark beschĂ€digt. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs nutzten die Finnen Soumelinna unter anderem fĂŒr ihre U-Boote und die Luftabwehr. Inzwischen sind die Inseln, die alle miteinander verbunden sind, ein beliebtes Ausflugsziel und vom Hafen mit öffentlichen FĂ€hren zu erreichen. 

    Suomenlinna vor Helsinki

    Obwohl Helsinki bei Touristen noch nicht ganz so beliebt ist wie das nahliegende Stockholm, hat die Stadt viel zu bieten. Grade Architekturfreunde werden von den dortigen Bauwerken begeistert sein, die entweder Zeugen einer lÀngst vergangene Zeit sind oder die Kunst der Moderne zeigen. Wer gerne in die Sauna geht, ist in Finnland sowieso immer an der richtigen Andresse, da es in dem Land tatsÀchlich mehr Saunen als Autos gibt und sie, gerade in Helsinki, an den ungewöhnlichsten Orten zu finden sind. 

    Latest Posts

    Die schönsten Videos

    Auch spannend