Mittwoch, 22, Mai 2024
17.6 C
Barcelona
19.6 C
Tokio
27.3 C
Hawaii
More

    Eine Reise durch Rio de Janeiro

    Rio de Janeiro, die Millionenmetropole an der OstkĂŒste Brasiliens, ist vor allem fĂŒr den jĂ€hrlich stattfindenden Karneval berĂŒhmt. Dieser alleine lockt rund eine Million Touristen in die Stadt, die sechs Tage lang den spektakulĂ€ren Wettkampf der Samba-Schulen verfolgen. Aber auch außerhalb der Feierlichkeiten bietet die Stadt weltberĂŒhmte SehenswĂŒrdigkeiten und spannende Orte, die entdeckt werden wollen.

    Die Geschichte Rios

    Ende des 15. Jahrhunderts beschlossen Spanien und Portugal das gerade erst entdeckte Gebiet des neuentdeckten SĂŒdamerikas unter sich aufzuteilen. Im Vertrag von Tordesillas wurde das heutige Brasilien den Portugiesen zugesprochen, sehr zum Missfallen der Franzosen, die den Vertrag nicht anerkannten. 1555 grĂŒndeten sie auf der Ilha de Villegagnon, einer kleinen Insel vor Rio de Janeiro, auf der sich inzwischen eine MilitĂ€rakademie befindet, das Fort Coligny und nannten das Gebiet darum France Antarctique (antarktisch Frankreich).

    Zehn Jahre spĂ€ter wurden die Franzosen von den Portugiesen vertrieben und es kam zur GrĂŒndung des heutigen Rio de Janeiros. Der Name, der Fluss des Januar bedeutet, lĂ€sst sich auf den Irrtum des Seefahrers Gaspar de Lemos zurĂŒckfĂŒhren, der im Januar 1505 in der Guanabara-Bucht landete und sie fĂŒr die MĂŒndung eines großen Flusses hielt.

    Heute ist die Stadt, nach SĂŁo Paulo, die zweitgrĂ¶ĂŸte des Landes und teilt ein Ă€hnliches Schicksal wie das australische Sydney. Denn auch Rio wird oft, fĂ€lschlicher Weise, fĂŒr die Hauptstadt gehalten, obwohl es diese Funktion bereits 1960 an das nördlich gelegene BrasĂ­lia abgeben musste.

    Der „Zuckerhut“ PĂŁo de AçĂșcar

    PrĂ€gend fĂŒr die Landschaft Rios ist der PĂŁo de AçĂșcar, ein fast 400 Meter hoher Felsen auf der Urca-Halbinsel im SĂŒden der Bucht. Das auffĂ€llig geformte Gestein trĂ€gt im deutschen den Namen „Zuckerhut“, da seine Erscheinung eben genau daran erinnert. Die portugiesische Bezeichnung, die ĂŒbersetzt „Zuckerbrot“ bedeutet, verdankt er nicht nur seiner Form sondern auch der Geschichte Rios. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde in der Stadt mit Rohzucker gehandelt, der zu Blöcke geformt wurde um ihn leichter nach Europa zu transportieren. Diese Blöcke wurden „PĂŁo de AçĂșcar“ genannt und sollen ausgesehen haben wie der Felsen vor der Stadt. 1908 kam der brasilianische Ingenieur Augusto Ferreira Ramos, nachdem in Europa die ersten Seilbahnen eröffnet wurden, die anstelle von Materialien Personen transportierten, auf die Idee, solch eine Seilbahn am Zuckerhut zu errichten.

    Ferreira Ramos setzte seine Idee durch, so dass 1912, nach zweijĂ€hriger Bauzeit, das erste StĂŒck der Bahn auf den Morro da Urca, einem 220 Meter hohen Berg vor dem Zuckerhut, eröffnet wurde. Drei Monate danach erfolgte die vollstĂ€ndige Freigabe der Strecke bis hoch zum Zuckerhut. Über ein halbes Jahrhundert blieb die Bahn unverĂ€ndert in Betrieb, konnte aber den steigenden Passagierzahlen und den Sicherheitsanforderungen bald nicht mehr standhalten, weswegen sich Ende der 60er fĂŒr einen Neubau entschieden wurde. Die heutige Bahn ist seit 1972 im Einsatz und bietet seinen GĂ€sten durch rundum verglaste WĂ€nde in den Kabinen einen spektakulĂ€ren Blick auf die Stadt. Spuren ihres VorgĂ€ngers lassen sich heute auf dem Morro da Urca finden, wo eine der ursprĂŒnglich gelben Kabinen besichtigt werden kann.

    Im Laufe der Zeit hatte die Bahn bereits prominente Passagiere wie Albert Einstein, John F. Kennedy oder auch Papst Johannes Paul II. Fans der James-Bond-Filme dĂŒrfte sie vor allem durch den 1979 erschienen Film „Moonraker – Streng geheim“ bekannt sein, wo sich der Titelheld, gespielt von Roger Moore, eine spektakulĂ€re Verfolgungsjagd mit seinen Widersacher liefert.

    Der Zuckerhut in Rio de Janeiro ist eines der Wahrzeichen der Stadt

    Der Berg Corcovado mit der imposanten Christusstatue

    Fast auf grader Luftlinie vom Zuckerhut in Richtung Osten, ist der berĂŒhmteste Einwohner der Stadt anzutreffen. Auf dem Berg Corcovado steht die 30 Meter hohe Christusstatue, die neben dem Zuckerhut, eins der Wahrzeichen Rios ist. Ähnlich wie die Freiheitsstatue in New York City war Cristo Redentor, so der offizielle Name der Statue, zum hundertsten UnabhĂ€ngigkeitsjubilĂ€um geplant, konnte aber auch nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. 1922 wurde mit dem Bau begonnen, der sich durch Finanzierungsprobleme verzögerte und erst durch die UnterstĂŒtzung des Erzbistums der Stadt, des Heiligen Stuhls und Frankreichs, 1931 beendet werden konnte.

    Im Laufe der Zeit wurde die Statue, die auf einem acht Meter hohen Sockel steht, in dem sich eine Kapelle befindet, immer wieder beschĂ€digt. Im Januar 2014 zerstörte ein Blitzschlag einen Teil der Kuppe des rechten Mittelfingers, vier Jahre zuvor beschmierten Unbekannte sie mit Graffiti. Anders als die Freiheitsstatue in der Manhattan Bay kann Cristo Redentor nicht von innen besichtigt werden, bietet Besuchern von seinem Fuß aus aber einen wunderschönen Ausblick ĂŒber die Stadt.

    Die Christusstatue steht auf dem Berg Corcovado und blickt auf den Zuckerhut

    Die Treppe Escadaria SelarĂłn

    1983 zog der in Chile geborene KĂŒnstler Jorge SelarĂłn nach Rio und fing sieben Jahre spĂ€ter an die Treppen vor seinem Haus zu erneuern. Seine Nachbarn machten sich zunĂ€chst darĂŒber lustig, weil er Fliesenfragmente in den Farben der brasilianischen Flagge, blau, grĂŒn und gelb, nutzte und die Stufen damit bedeckte. Daraus wurde fast eine Besessenheit, bei der SelarĂłn stĂ€ndig das Geld ausging, weswegen er seine GemĂ€lde verkaufte um die Arbeit an der Treppe zu finanzieren. Als die Stufen fertig war, begann er an einer anderen Stelle sein Werk, das nie vollendet werden wĂŒrde, fortsetzen. Er verarbeitete ĂŒber 2000 Fliesen aus ĂŒber 60 LĂ€ndern und bezeichnete seine Arbeit als „Tribut an die Brasilianer“, das erst am Tag seines Todes fertig sein wĂŒrde. Dadurch fand das Werk am 10 Januar 2013 seine Vollendung, als der KĂŒnstler leblos auf der nach ihn benannten Treppe, der Escadaria SelarĂłn gefunden wurde. Die 215 Stufen, die sich ĂŒber eine LĂ€nge von 125 Metern erstrecken, fĂŒhren von der Rua Joaqium Silva und der Rua Manoel Carneiro durch die Stadtteile Lapa und Santa Teresa

    Die Escadaria SelarĂłn sind mit bunten Fliesen bedeckte Stufen

    Das MaracanĂŁ Stadion

    FĂŒr Fußballfans darf in Rio ein Ausflug zum MaracanĂŁ-Stadion, in dem die deutschte Nationalmannschaft sich 2014 den vierten Weltmeistertitel holte, nicht fehlen. Das Station wurde 1950 fertiggestellt und bot Platz fĂŒr 200.000 Zuschauer, womit es das grĂ¶ĂŸte Fußballstation der Welt war. Nach zahlreichen Renovierungen, zuletzt fĂŒr die WM, besitzt es jetzt nicht einmal mehr die HĂ€lfte der frĂŒheren KapazitĂ€t. Es ist teil des Complexo Esportivo do MaracanĂŁ, zudem auch eine Mehrzweckhalle und ein Schwimmstadion gehören. Seit 1966 heißt das Station offiziell EstĂĄdio Jornalista MĂĄrio Filho, zu Ehren des brasilianischen Sportjournalisten MĂĄrio Filho der sich Ende der 40er dafĂŒr eingesetzt hatte, das Stadion an seinem heutigen Standort zu bauen und nicht, wie zuvor geplant, im Stadtteil JacarepaguĂĄ.

    Rund um den Hafen

    In der NĂ€he des stĂ€dtischen Hafens stoßen Besucher seit Dezember 2015 auf ein abstraktes, weiß-graues GebĂ€ude. Ananaspflanzen inspirierten den spanischen Architekten Santiago Calatrava zu dem Bauwerk, in dem sich das „Museum of Tomorrow“ befindet. Es befindet sich auf der Praça MauĂĄ, einer kĂŒnstlichen Landzunge und beschĂ€ftigt sich mit den Bereichen Kosmos, Erde, AnthropozĂ€n, das Morgen und „Wir“. Sowohl von innen als auch von außen ist das Museum, das Teil der Bewerbung fĂŒr die Olympischen Spiele 2016 war, ein architektonischer Hingucker und ein Besuch wert.

    Zwei Kilometer weiter in Richtung Osten liegt das Aquarium AquaRio, das grĂ¶ĂŸte seiner Art in SĂŒdamerika. In 28 Becken, die sich auf fĂŒnf Ebenen verteilen, leben ĂŒber ĂŒber 8.000 Tiere die von den Besuchern durch verglaste Tunnel beobachtet werden können. Insgesamt beherbergt das Aquarium 350 verschiedene Arten aus allen Ozeanen, darunter auch verschiedene Mitglieder der Haifamilie.

    Direkt neben dem Aquarium befindet sich das Riesenrad „Rio Star“, das mit seinen 88 Metern das grĂ¶ĂŸte Lateinamerikas ist. Es umfasst 54 Kabinen und transportiert wĂ€hrend einer 20-minĂŒtigen Fahrt bis zu 432 Personen.

    Copacabana und Ipanema

    Das berĂŒhmteste Viertel der Stadt ist Copacabana, mit dem gleichnamigen Strand und dem weltbekannten wellenförmigen Mosaik am BĂŒrgersteig. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts hieß der Bezirk „SacopenapĂŁ“, was in der Sprache der Tupi-Indianer so viel wie „der Weg des SozĂłs“ bedeutet, wobei es sich beim SozĂłs vermutlich um eine Art Vogel handelt. Nachdem in den Gebiet eine Kapelle gebaut wurde, in der sich eine Nachbildung der Virgen de Copacabana, der Großmutter des Nachbarlandes Bolivien, befindet, kam der Stadtteil zu seinem heutigen Namen.  In den 30er und 40er Jahren war Copacabana das Nobelviertel fĂŒr die Reichen und Schönen, wird heutzutage aber ĂŒberwiegend von Senioren der Mittelschicht bewohnt, anders als das angrenzende Viertel Ipanema, in dem die Oberschicht zuhause ist. Der hinter der Prachtstraße Avenida AtlĂąntica gelegene Strand, der sich auf vier Kilometern die AtlantikkĂŒste entlangzieht, ist berĂŒhmt fĂŒr knappe Badebekleidung, Beachvolleyball und seine jĂ€hrlichen Silvesterfeiern. 

    Der Strand im berĂŒhmten Stadtteil Copacabana

    SambĂłdromo und Catedral

    In der NĂ€he des SambĂłdromo, der TribĂŒhnenstraße auf der jedes Jahr der Wettbewerb der Sambaschulen wĂ€hrend des Karnevals stattfindet, liegt die Kathedrale der Stadt. Das pyramidenĂ€hnliche GebĂ€ude wird oft einfach nur als „Catedral“ bezeichnet, da die wenigsten sich die Zeit nehmen, den vollen Namen, Catedral Metropolitana de SĂŁo SebastiĂŁo de Rio de Janeiro, auszusprechen. Ihr Bau dauerte 15 Jahre und kam auch erst nach langen Verhandlungen zwischen dem Erzbistum der Stadt und der Regierung des Bundesstaates Guanabara zustande. Die 75 Meter hohe katholische Kirche besitzt eine kreisförmige GrundflĂ€che und wunderschöne, bunte Fenster die bis zur flachen Spitze reichen.

    Rio de Janeiro hat auch außerhalb der sechs Tage Karneval im Februar viel fĂŒr Besucher zu bieten, die sich aus SicherheitsgrĂŒnden nur in den Touristenvierteln aufhalten sollten. Denn trotz der Schönheit ist die Stadt nicht ganz ungefĂ€hrlich und sollte mit Vorsicht genossen werden. 

    Latest Posts

    Die schönsten Videos

    Auch spannend