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    Dublin: die Hauptstadt der grĂŒnen Insel

    Obwohl Dublin gerade mal so viele Einwohner hat wie Hannover, gehört die Hauptstadt der Republik Irland zu den meistbesuchten StĂ€dten der Welt. GegrĂŒndet wurde sie von Wikingern, die ihr den Namen „Duibhlinn“ gaben, was so viel wie „schwarzer Teich“ bedeutet. WĂ€hrend der langen und wechselhaften Geschichte Irlands war sie stets das Zentrum der Insel und ist heute Hauptstadt der dortigen Republik. 

    Die SĂŒdseite

    Das St. James’s Gate ist vermutlich die berĂŒhmteste Adresse in Dublin und heute eine beliebte Touristenattraktion. Im Mittelalter war es die westliche Einfahrt in die Stadt und Startpunkt fĂŒr irische Pilger auf ihrem Weg ins spanische Santiago de Compostela. Heute liegt das Tor in bester Lage im sĂŒdlichen Teil und wĂŒrde vermutlich Millionen einbringen, sollte das 16.000 Quadratmeter große Areal dahinter mit Wohnungen bebaut werden. Doch VertrĂ€ge sind bindend, so auch der von 1759, den ein Mann namens Arthur Guinness aus dem nah gelegenen Cellbridge abschloss. Da er recht optimistisch gestimmt war und glaubte, mit seinem Bier Erfolg zu haben, pachtete er die Brauerei am St. James’s Gate fĂŒr 9000 Jahre zu einem jĂ€hrlichen Pachtzins von 45 Pfund. Somit wird das weltberĂŒhmte Guinness Bier, das in mehr als 150 LĂ€nder exportiert wird, bis ins Jahr 10759 am St. James’s Gate in Dublin gebraut werden, was zeigt, dass Optimismus sich durchaus bezahlt macht. FĂŒr Besucher steht das Guinness Storehouse offen, in dem frĂŒher die Fermentation stattfand und in dem heute die Geschichte der Brauerei und ihres GrĂŒnders gezeigt werden. Am Ende jeder FĂŒhrung durch die sieben Stockwerke erwartet Besucher im Dachgeschoss die Gravity Bar, in der sie einen Pint Guinness (0,4 Liter) bei einer spektakulĂ€ren 360 Grad Aussicht ĂŒber Dublin genießen können.

    Die Guinness Brauerei am St. James’s Gate

    Ein StĂŒck östlich des St. James’s Gates beginnt der Tempel Bar District, das bekannteste Viertel der Stadt. Gerade bei Touristen ist es sehr beliebt, da hier ein Großteil des Nachtlebens stattfindet, mit vielen Restaurants, Straßenmusikern und Pubs. Ein Highlight unter ihnen ist The Tempel Bar, die sich in einem nicht zu verwechselnden roten GebĂ€ude befindet. Hier kommt bei jedem Besucher die typische Irish Pub Stimmung auf, die von Live-Musik und einem Pint Guinness oder einem Glas Whiskey begleitet wird. Wie auch in allen anderen Bars des Landes kommt hier erst rein, wer mindestens 18 Jahre alt ist. Ein StĂŒck weiter die Straße entlang in Richtung Westen liegt das örtliche Hard Rock CafĂ© wo, wie in allen Niederlassungen der Restaurantkette, Instrumente und Kleidung von MusikgrĂ¶ĂŸen ausgestellt sind. Wer in Dublin echte Rocklegenden persönlich sehen will hat im Clarence Hotel vielleicht GlĂŒck, da das unscheinbar wirkende GebĂ€ude mit dem grĂŒnen Dachgeschoss niemanden geringen als U2 SĂ€nger Bono und Gitarrist The Edge gehört. Gelegentlich finden sich die Bandmitglieder in den oben gelegenen Stockwerken zum Arbeiten ein. 

    Die Tempel Bar im gleichnamigen Viertel

    Das Trinity College gehört zu den Ă€ltesten der Welt und hat einen wunderschönen Campus der wĂ€hrend einer 35-minĂŒtigen Tour besichtigt werden kann. Dazu gehört auch ein Besuch in der grĂ¶ĂŸten Bibliothek Irlands, in der sich 4,5 Millionen BĂ€nde befinden. Sei 1800 hat sie sogar das Recht, von jedem im Vereinigten Königreich und Irland publizierten Buch, eine Ausgabe zu bekommen. Eines der Werke dort ist das Book of Kells, das aus dem achten oder neunten Jahrhundert stammt und seit 2011 zum Weltkulturerbe gehört. Aber auch ein Exemplar der Keltischen Harfe, dem Staatswappen von Irland, ist in der Bibliothek zu finden, die angeblich dem einzigen irischen Staatskönig Brian Boru gehört haben soll. Bewiesen ist der Besitz nicht, da die Harfe nach gegenwĂ€rtigen Erkenntnisstand erst 500 Jahre nach Borus Tod 1014 gebaut worden sein soll.

    Die Trinity College Library

    Die Regierung

    Etwas sĂŒdlich des Trinity Colleges liegt das Leinster House, das dem irischen Architekten James Hoban die Inspiration fĂŒr das Weiße Hause in Washington DC lieferte. 1745, als der Earl of Kildare es als seine Stadtresidenz bauen ließ, wohnten die Adligen nördlich es Liffey, wĂ€hrend in der SĂŒdseite Dublins ĂŒberwiegend BĂŒrger lebten. Der Earl ahnte wohl, dass diese Verteilung nicht mehr lange anhalten wĂŒrde, da kurze Zeit spĂ€ter die Aristokraten ihre HĂ€user verkauften und in den SĂŒden der Stadt zogen. Seinen Namen erhielt das Haus von seinem Erbauer, als er den Titel Duke of Leinster erhielt. 1800 verlor Irland sein eigenes Parlament, weswegen viele Adelige nach London zogen, darunter auch der Earl of Kildare. Er verkaufte sein Haus an die Royal Dublin Society, die sich in dem Anwesen traf, um Landwirtschaft, Kunst, Industrie und Wissenschaft im Land zu fördern. Als Irland 1921 wieder eine eigene Regierung erhielt, brauchte diese einen Versammlungsort, der eigentlich im Royal Hospital im Stadtteil Kilmainham sein sollte. Dieser stand jedoch noch unter britischer Herrschaft; die dort anwesende Armee wĂŒrde das Gebiet nicht innerhalb von wenigen Wochen verlassen, weswegen man sich fĂŒr den Hörsaal der Royal Dublin Society im Leinster House entschied. Aus dem improvisierten Regierungssitz wurde eine Dauerlösung, die bis heute anhĂ€lt. Besuchern steht das Leinster House vor Ort oder digital im Internet, bei einer wirklich guten virtuellen Tour, offen. 

    Der PrĂ€sident der Republik Irland, der immer fĂŒr sieben Jahre vom Volk gewĂ€hlt wird, hat seinen Amtssitz im nordwestlichen Teil der Stadt im Phoenix Park, dem grĂ¶ĂŸten innerstĂ€dtischen Park Europas. Die Residenz, die irisch Áras an UachtarĂĄin heißt, steht Besuchern jeden Samstag kostenlos offen. Aber auch fernab des prĂ€sidialen Anwesens hat der Park viel zu bieten, darunter das Magazine Fort, Sportanlagen, unter anderem fĂŒr Cricket und Polo, den stĂ€dtischen Zoo und frei laufende Rudel Damwild. Aufsehen erregte der Park 1882, als zwei Beamte auf dem Weg zur heutigen PrĂ€sidentenresidenz erstochen wurden. Einer von ihnen war Lord Frederick Cavendish, der zwar gebĂŒrtiger Ire war, sich aber bei seinen Landsleuten durch seine TĂ€tigkeit bei der britisch-irischen Verwaltung unbeliebt gemacht hatte. Er war das eigentliche Ziel des Anschlags, den Mitglieder der irisch-republikanischen Irish National Invincibles ausĂŒbten. Sein Begleiter, Thomas Henry Burke, der erst wenige Stunden vor dem Mord aus London gekommen war, um sein Amt als Chief Secretary of Ireland anzutreten, war eher ein Kollateralschaden.

    Damwild im Phoenix Park

    Shopping

    Eine der Haupteinkaufsstraße Dublins ist die O’Connell Street inmitten der nördlichen Innenstadt. Ihren Anfang bildet die gleichnamige BrĂŒcke, die einzige in Europa, die genauso lang wie breit ist. GeprĂ€gt wird die Straße durch das unĂŒbersehbare Wahrzeichen der Stadt: The Spire, eine 123 Meter hohe Nadel aus Edelstahl. Offiziell heißt das Monument „Denkmal des Lichts“ und steht an der selben Stelle wie die 1966 von abtrĂŒnnigen IRA-Mitgliedern gesprengte Nelson-SĂ€ule. Eigentlich sollte das Denkmal zur Jahrhundertwende fertiggestellt werden, doch wie bei vielen großen Bauprojekten auch, verzögerte sich alles, so dass es erst 2003 fertig war. Die Dubliner selbst scheinen nicht sonderlich begeistert von ihrem Wahrzeichen zu sein, da die SĂ€ule im Volksmund Spitznamen wie „Stiletto in the ghetto“ (Stöckelabsatz im Ghetto) oder „Stiffy by the Liffey“ (StĂ€nder am Liffey) hat. Am Ende der Abbey Street, einer Seitenstraße der O’Connell Street, befindet sich Jervis, ein beliebtes Einkaufszentrum in dem sich 53 LĂ€den befinden. Die andere Einkaufsstraße der Stadt liegt im sĂŒdlichen Teil nah des Trinity College und dĂŒrfte vor allem Fans des britischen Musikers Ed Sheeran ein Begriff sein. Die Grafton Street ist neben den vielen GeschĂ€ften vor allem durch Straßenmusiker geprĂ€gt, die hier regelmĂ€ĂŸig auftreten. 

    The Spire inmitten der O’Connell Street

    Wer in Dublin auf der Suche nach einem schönen Souvenir ist, sollte unbedingt eine Filiale von Carrolls aufsuchen. Hier gibt es alles, was typisch fĂŒr die grĂŒne Insel ist, von einfachen Shirts ĂŒber Kleidung aus irischer Schafwolle, Nippes, Guinness-Merchandise, Schmuck und Lebensmittel, begleitet von authentischer Irish Folk Musik, die in den LĂ€den gespielt wird. 

    Die Vergangenheit

    Die Geschichte der Kinder Lirs zĂ€hlt zu den bekanntesten irischen Legenden. Sie handelt von Lir, der Verkörperung des Meeres in der keltischen Mythologie der vier Kinder mit seiner Frau Aobh hatte. Nach ihrem Tod heiratete er ihre Schwester Aoife, die eifersĂŒchtig auf ihre Neffen und Nichten war und sie deswegen fĂŒr 900 Jahre in SchwĂ€ne verwandelte. Sie bekam jedoch schnell Gewissensbisse und gab den Tieren daher die Gabe des schönen Gesangs. Lir gab daraufhin den Befehl, dass kein Schwan in Irland getötet werden durfte. Nach Ende der Frist, die mit der Christianisierung der Kelten zusammen fĂ€llt, sollen die Kinder wieder zu Menschen geworden, jedoch kurz darauf gestorben sein, da sie wĂ€hrend der letzten Jahre gealtert waren. Eine andere Version besagt, dass der Fluch erst gebrochen ist, wenn ein Mann aus dem Norden Irlands eine Frau aus dem SĂŒden heiratete. An die vier Kinder Lirs erinnert heute eine Statue im Garden of Remembrance nördlich des Liffey. Dieser soll an alle erinnern, die fĂŒr die Freiheit Irlands ihr Leben gelassen haben und weist mit seinem Becken etwas Ähnlichkeit mit den Reflecting Pool in Washington DC auf.

    Die Statue der Children of Lir

    Direkt neben dem Garten liegt das Dublin Writers Museum in dem sich AusstellungsstĂŒcke aus dem persönlichen Besitz Irlands bekanntester Schriftsteller befinden. So steht hier der Schreibtisch von Austin Clarke, das Telefon von LiteraturnobelpreistrĂ€ger Samuel Beckett und der TeddybĂ€r von Mary Josephine Lavins. Das Museum bietet tĂ€glich einen spannenden Einblick in die irische Literaturgeschichte und beherbergt zahlreiche Werke nationaler Autoren. FĂŒr Fans von Bram Stoker, dem Autor von Dracula, gibt es in Dublin ein eigenes Museums in dem sich alles um Vampire dreht. In Bram Stokers Castle Dracula tauchen Besucher in die Welt der blutsaugenden DĂ€monen ein und können sie hautnah erleben. Wer seine eigene KörpergrĂ¶ĂŸe immer als zu groß empfunden hat, kann in Dublin herausfinden wie es ist, ganz klein zu sein. Im National Leprechaun Museum haben Besucher wĂ€hrend gefĂŒhrter Touren die Möglichkeit, mehr ĂŒber die irischen Kobolde zu erfahren und in RĂ€umen, in denen alle EinrichtungsgegenstĂ€nde ĂŒberdimensional groß sind, herausfinden wie es ist, klein zu sein.

    Das Dublin Writers Museum

    In Dublin gibt es zahlreiche BrĂŒcken, die ĂŒber den Liffey fĂŒhren und den Norden mit dem SĂŒden verbinden. Eine der berĂŒhmtesten von ihnen ist die Ha’penny Bridge westlich der O’Connell Street, die 1816 fertiggestellt wurde und offiziell einfach Liffey Bridge heißt. Ihren volkstĂŒmlichen Namen verdankt sie der FußgĂ€ngermaut, die frĂŒher bei der Überquerung von BrĂŒcken gezahlt werden musste. Die vorletzte BrĂŒcke der Stadt in östlicher Richtung ist die Samuel Beckett Bridge, die durch ihre markante Erscheinung ein echter Blickfang ist. Ihre Konstruktion erinnert nĂ€mlich an eine Harfe, die sich ĂŒber den Liffey spannt.

    Die Ha’penny Bridge ĂŒber den Liffey

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