Sonntag, 25, Februar 2024
13.8 C
Barcelona
5.4 C
Tokio
21.6 C
Hawaii
More

    Prag: die goldene Stadt

    Die Hauptstadt der Tschechischen Republik kann auf eine bewegte Geschichte zur├╝ckblicken und geh├Ârt seit 1992 zu Recht zum UNESCO Weltkulturerbe. Gerade die sch├Âne Prager Altstadt zieht jedes Jahr Millionen Besucher an, die sich am einzigartigen Charme der Stadt erfreuen.

    Die Stadt der Fensterst├╝rze

    Die Anf├Ąnge von Prag lassen sich bis in die Altsteinzeit zur├╝ckverfolgen, als das Gebiet zu den dicht besiedeltsten in B├Âhmen geh├Ârte. Zu den ersten bekannten Siedlern geh├Ârten Kelten und germanische Markomannen; die ersten Slawen kamen im 6. Jahrhundert in die Gegend. Das Stadtrecht erhielt Prag 1230/1234 von K├Ânig Wenzel I., nachdem bereits zwei Burgen die Stadt pr├Ągten, in der sich deutsche und j├╝dische Kaufleute niedergelassen hatten. 1348 gr├╝ndete Karl IV. die erste Universit├Ąt in Mitteleuropa, die bis heute seinen Namen tr├Ągt und zu einer der besten der Welt geh├Ârt. Im Geschichtsunterricht findet die Stadt an der Moldau vor allem durch den Zweiten Prager Fenstersturz Erw├Ąhnung, der 1618 den Drei├čigj├Ąhrigen Krieg ausl├Âste. Fast zweihundert Jahre zuvor f├╝hrte ein ├Ąhnliches Ereignis zum Anfang der Hussitenkriege um das Gebiet B├Âhmen und kostete dem damaligen K├Ânig Wenzel das Leben. Obwohl er direkt nichts mit dem Fenstersturz zutun hatte, machte ihn die Aktion so w├╝tend, dass er einen Schlaganfall bekam, an dessen Folgen er kurze Zeit sp├Ąter starb. Weniger bekannt ist der Dritte Prager Fenstersturz 1948, der keine gewaltt├Ątige Auseinandersetzung verursachte, daf├╝r aber bis heute Fragen aufwirft. Wenige Wochen nach dem kommunistischen Umsturz wurde der tschechische Au├čenminister Jan Masaryk tot unter dem Badezimmerfester des Palais Czernin, dem Sitz des Au├čenministeriums, einzig in seinem Pyjama gekleidet, gefunden. Bis heute ist nicht gekl├Ąrt, ob es Mord oder Suizid war. 

    Im 19. Jahrhundert erlebte Prag einen Aufschwung und wurde Zentrum f├╝r K├╝nstler sowie f├╝r tschechisch- und deutschsprachige Literatur. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Prag Hauptstadt des Tschechoslowakei und blieb, als eines der letzten Gebiete in Europa, demokratisch. 1938 marschierte die Wehrmacht in die Tschechoslowakei ein und gr├╝ndete in Prag das Protektorat B├Âhmen und M├Ąhren. Dessen stellvertretender Reichsprotektor Reinhard Heydrich fiel 1942 in der Stadt einem Attentat zum Opfer, das als einziges erfolgreiches Attentat auf ein Mitglied der NS-F├╝hrung gilt. W├Ąhrend der kommunistischen Herrschaft ging das Fr├╝hjahr 1968 als Prager Fr├╝hling in die Geschichte ein, als die Forderung nach mehr Demokratie von Truppen des Warschauer Pakts gewaltsam niedergeschlagen wurde. Einundzwanzig Jahre danach suchten Fl├╝chtlinge aus der DDR Zuflucht in der bundesdeutschen Botschaft in Prag und erhielten am 30. September von Au├čenminister Hans-Dietrich Genscher die Nachricht, dass ihre Ausreise in den Westen m├Âglich ist.

    Die Karlsbr├╝cke

    Das bekannteste Bauwerk in Prag ist die Karlsbr├╝cke, deren Grundstein 1357 von ihrem sp├Ąteren Namensgeber Karl IV. gelegt wurde. Sie verbindet die Altstadt im Osten mit der Kleinseite im Westen und z├Ąhlt heute zu einer der ├Ąltesten Br├╝cken ├╝ber die Moldau. Auf ihren ├╝ber 500 Metern verteilen sich zu beiden Seiten rund 30 Statuen von Heiligen, die zwischen 1629 und 1938 entstanden sind. Anders als die Golden Gate Bridge in San Francisco oder die Tower Bridge in London, ist die 10 Meter breite Karlsbr├╝cke nur f├╝r Fu├čg├Ąnger ge├Âffnet, die von ihr den Blick auf den Fluss genie├čen k├Ânnen. Am ├Âstlichen Ende befindet sich der 1380 fertig gestellte Altst├Ądter Br├╝ckentrum, der auf dem ersten Pfeiler der Br├╝cke gebaut wurde. Das rund 40 Meter hohe Bauwerk kann von Innen besichtigt werden und dient regelm├Ą├čig einem historisch gekleideten Trompeter als B├╝hne. Auf der Westseite steht der Kleinseitner Br├╝ckenturm, der rund zehn Meter kleiner ist als sein Gegen├╝ber und ein St├╝ck weiter vom Flussufer entfernt steht. Er wurde 1464 in Auftrag gegeben und ist heute durch einen Torbogen mit dem ├Ąlteren Turm der Judithbr├╝cke, dem 1342 durch Hochwasser zerst├Ârten Vorg├Ąnger der Karlsbr├╝cke, verbunden.

    Die Karlsbr├╝cke in Prag f├╝hrt ├╝ber die Moldau

    Altstadt

    Am ├Âstlichen Ufer der Moldau befindet sich die Prager Altstadt, in dessen Zentrum sich eines der wichtigsten Kulturdenkm├Ąler des Landes befindet. Die Uhr an der S├╝dmauer des Altst├Ądter Rathauses gilt als Meisterwerk gotischer Technik und ist bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Sie wurde 1410 vom Uhrmacher Nikolaus von Kaaden nach den Pl├Ąnen des Professors f├╝r Mathematik und Astronomie an der Karls-Universit├Ąt, Johannes Schindel, gebaut und im Laufe ihrer Geschichte immer wieder erweitert. Noch heute ranken sich zahlreiche Sagen um die Uhr, darunter die, dass an jedem 21. Juni 27 Adlige, die 1621 vor dem Rathaus exekutiert wurden, sich dort treffen und die Uhr beobachten. Wenn sie genau geht, soll es dem tschechischen Volk gut gehen. Wenn sie nicht genau l├Ąuft oder gar stehen bleibt, sollen schlechte Zeiten auf die Tschechen zukommen. Der ├Âstliche Eingang zur Altstadt ist der Prager Pulverturm am Platz der Republik, der im 15. Jahrhundert entstand. Wie der Name schon ahnen l├Ąsst, wurde im Inneren des 65 Meter hohen Torturms jahrhundertelang Schwarzpulver gelagert. Urspr├╝nglich war er Teil der Befestigung des ehemaligen K├Ânigshofes und Start der K├Ânigsweges. Dieser geh├Ârte zur Kr├Ânungsprozession und f├╝hrte bis zur Prager Burg auf der anderen Flussseite. 

    Die Uhr am Alten Rathaus

    Ein St├╝ck n├Ârdlich des Altst├Ądter Rings befindet sich der Alte J├╝dische Friedhof, den M├Ąnner und Jungen nur mit einer Kippa betreten d├╝rfen. Er liegt im ehemaligen j├╝dischen Viertel der Altstadt und beherbergt auf einem Hektar Fl├Ąche ├╝ber 12.000 Grabsteine und die Gebeine von ungef├Ąhr 100.000 Menschen. Direkt neben dem Friedhof befindet sich das J├╝dische Museum, welches jedes Jahr von ├╝ber einer halben Million Menschen besucht wird. Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge der Rekonstruktion der j├╝dischen Gemeinde in Prag Synagogen abgerissen wurden, entstand 1906 ein Museum, das deren Kulturgegenst├Ąnde erhalten sollte. 1943 er├Âffneten die SS, nach vierj├Ąhriger Schlie├čung, das J├╝dische Zentralmuseum, in dem vier Ausstellungen rund um das j├╝dische Leben stattfanden. Bereits im Sommer zwei Jahre danach fand in dem vollst├Ąndig erhaltenden Museum die erste Ausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

    S├╝dlich der Altstadt, direkt am Ufer der Moldau steht das Tanzende Haus, ein 1996 fertiggestelltes B├╝rogeb├Ąude, das lange f├╝r Diskussion sorgte. W├Ąhrend einige der Meinung waren, es w├╝rde das Stadtbild zerst├Âren, lobten andere die moderne Architektur, die in Prag kaum vorhanden ist. Inzwischen m├╝sste sich ein Gro├čteil der Tschechen mit dem Haus abgefunden haben, da es laut einer Umfrage zu den f├╝nf besten Geb├Ąude des Landes geh├Ârt. Da es an eine T├Ąnzerin erinnert, die sich an ihren Partner schmiegt, werden die beiden hervorstechenden Elemente, in Anlehnung an Ginger Rogers und Fred Astaire mit ihrem Stepptanz, Ginger und Fred genannt.

    Das Tanzende Haus

    Kleinseite

    Am anderen Ufer der Karlsbr├╝cke im Westen der Stadt liegt die Kleinseite, die von der Prager Burg gepr├Ągt wird. Sie ist das gr├Â├čte geschlossene Burgareal der Welt und wurde bereits im 9. Jahrhundert gegr├╝ndet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie immer wieder erweitert und beherbergt heute unter anderem die St. GeorgeÔÇÖs Basilika, den Mr├íkot├şner Monolith und eine Galerie mit Werken von Rubens, Zizian und weiteren K├╝nstlern. Seit ihrer Gr├╝ndung war sie Sitz von zahlreichen b├Âhmischen K├Ânigen und ist heute Amtssitz des tschechischen Pr├Ąsidenten. Besonders beliebt bei Touristen ist das Goldene G├Ąsschen, in dem fr├╝her Alchimisten gewirkt haben sollen. Durch sie hat Prag unter anderem auch seinen Beinamen ÔÇ×die goldene StadtÔÇť erhalten. Zu den ber├╝hmtesten Bewohnern des Goldenen G├Ąsschens z├Ąhlt Franz Kafka, der 1916 bis 1917 in Haus Nr. 22 lebte und arbeitete. Im Veistdom, der inmitten des Burgareals liegt, endete der am Pulverturm begonnene K├Ânigsweg, da dort die Kr├Ânungen stattfanden. Die Anweisung f├╝r den Bau gab Karl IV. 1344, sieben Monate nachdem Prag zum Erzbistum erhoben wurden. Heute ist der Dom eine der beliebtesten Sehensw├╝rdigkeiten, da er nicht nur ein beeindruckendes Innenleben zu bieten hat, sondern auch Ruhest├Ątte zahlreicher b├Âhmischer K├Ânige ist.

    Die Prager Burg

    Museen und Freizeit

    Die Geschichte von Prag l├Ąsst sich nicht nur durch historische Geb├Ąude erleben, sondern auch in zahlreichen Museen. Das f├╝hrende von ihnen ist das 1818 gegr├╝ndete Nationalmuseum, das seinen Besuchern die Kultur- und Naturgeschichte Tschechiens nahe bringt. F├╝r Nostalgiefreunde gibt es das Museum des Kommunismus, in dem St├╝cke der j├╝ngeren Geschichte ausgestellt sind. Auch dem Schriftsteller Franz Kafka ist am westlichen Ufer der Moldau ein Museum gewidmet, das sein Leben und Schaffen in der Stadt zeigt. F├╝r Emp├Ârung bei den st├Ądtischen Beh├Ârden sorgte das 2002 er├Âffnete Erotikmuseum, das sich nahe dem Altst├Ądter Ring befindet und erst Besucher ├╝ber 18 Jahren zul├Ąsst. Man bef├╝rchtete, Touristen w├╝rden einen falschen Eindruck von Prag bekommen, was dem Museum zu ├Âffentlicher Aufmerksamkeit und h├Âheren Besucherzahlen verhalf. Wer mit Kindern in Prag unterwegs ist, geht lieber in den Zoo der sich im Stadtteil Troja befindet. Er beherbergt 681 verschiedene Tierarten auf einer Fl├Ąche von 58 Hektar, die sich teilweise auf einem Berg befinden. Wer diesen nicht zu Fu├č erklimmen m├Âchte, nutzt die Seilbahn die von einer Ebene des Gel├Ąndes zur anderen f├╝hrt. Obwohl Prag nicht am Meer liegt, hat die Stadt neben mehreren Schwimmb├Ądern und Badeseen f├╝r kleine und gro├če Wasserratten den Aquapalace zu bieten. Der Wasserpark ist der gr├Â├čte in Mitteleuropa und bietet mit seinen 12 Wasserrutschen, einem Wellnessbereich und Tauchklippen Spa├č f├╝r die ganze Familie. 

    Das Nationalmuseum

    Latest Posts

    Die sch├Ânsten Videos

    Auch spannend